Meine alte Schreibmaschine

schreibmaschineNeulich, beim Aufräumen, fand ich meine alte Schreibmaschine, ein sehr beliebtes Reisemodell aus dem Jahre 1984 von Triumph. Ich erinnerte mich daran, wie ich sie von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte, zum achtzehnten Geburtstag. Bis dato waren meist Papier und Stift meine Werkzeuge gewesen. Die Schreibmaschine meines Vaters, die in seinem Büro in unserem Keller stand, durfte ich nur eingeschränkt benutzen.

Wie viele Stunden ich mit diesem Gerät verbrachte? Ich weiß es nicht mehr. Viele waren es auf jeden Fall. Als ich mit vierzehn anfing, meine ersten Geschichten zu schreiben ‒ die kitschigen Fantasien einer Pubertierenden ‒ benutzte ich alte Hefte. Ich füllte eines nach dem anderen. Irgendwann lernte ich in der Schule Schreibmaschine schreiben. Das ging deutlich schneller als die mühsame Handarbeit. Bald konnte ich genau so fix tippen wie denken. Das erwies sich als äußerst praktisch, denn so hatte ich nicht bereits in der Mitte des Satzes vergessen, wie er enden sollte. Das einzige Manko war, dass die mir zur Verfügung stehende Schreibmaschine meinem Vater gehörte und dieser sie häufig genau dann brauchte, wenn ich sie ebenfalls benutzen wollte. Aber mit der Triumph hatte das eine Ende.

Ich schrieb viele Jahre lang mit ihr ‒ bis sie durch den Computer ersetzt wurde. Und obwohl sie ab da, verpackt in ihrem Koffer, irgendwo in der Abstellkammer stand, brachte ich es ‒ und bringe es immer noch nicht ‒ über mich, sie wegzuwerfen. Nostalgie nennt man so etwas, glaube ich. Aber wenn ich mit den Fingern über die Tasten streiche und vorsichtig eine herunterdrücke, wenn ich den staubigen Maschinengeruch einatme, dann erinnere ich mich daran, wie alles begonnen hat. Dann ist diese Schreibmaschine für mich mehr als nur eine altes, analoges Gerät, das in unserer digitalen Zeit keinen Platz mehr hat. Dann ist sie wie eine gute Freundin, die zu Besuch gekommen ist, um Erinnerungen aus ihrer Jugend zu erzählen. So jemandem kündigt man nicht einfach die Freundschaft.

Und heute? Ich schreibe auf einem Laptop. Das ist praktisch und zeitgemäß und ich würde es nicht anders haben wollen. Aber die Sentimentalität, in die ich beim Anblick meiner Schreibmaschine verfalle, ist mir in Bezug auf meinen Laptop fremd. Er ist ein Arbeitsmittel. Mehr nicht. Zu einem Freund wird er vermutlich nie werden. Woran das wohl liegt? Vielleicht am Alter. Oder?

 

 

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